Die Haltung von Kaninchen daheim


Allgemein

Ich muss noch einmal erwähnen, dass Kaninchen grundsätzlich nicht allein leben wollen. Dies entspräche keiner artgerechten Haltung, bei der man unwissentlich dem Tier einen großen Schaden zufügen kann.
Einem Kaninchenduo wird nie langweilig, denn mit mindestens einem Artgenossen sind sie immer in bester Gesellschaft, daher kann man sich als Halter ruhigen Gewissens auch einmal Zeit für andere Dinge nehmen.
Eine gewisse Zeit können Kaninchen auch ohne Zweibeiner verbringen, erstrecht wenn man ein Paar oder eine Gruppe hält, kann man sich darauf verlassen, dass sich die Tiere gegenseitig beschäftigen und nicht so sehr auf menschliche Zuwendung angewiesen sind. Die Zeit der Abwesenheit sollte allerdings nicht mehr als 18h Betragen, damit auch eventuelle Krankheiten sofort erkannt und auch welkes Frischfutter entfernt werden kann.
Nichts kann einem Kaninchen (oder auch einem Meerschweinchen) den Artgenossen ersetzen, ganz gleich, wieviel Zeit wir mit unserem Tier verbringen.
Das Argument, dass durch eine Gruppe oder das Pärchen mehr Arbeit oder Kosten anfallen, kann leicht widerlegt werden, denn ob man füttert, Wasser nachfüllt, das Gehege reinigt, oder Futter kauft- der Aufwand für ein oder mehrere Tiere bleibt fast gleich.
Was aber bachtet werden sollte, ist dass das Gehege unbedingt größer sein sollte. Außerdem braucht jedes Tier der Gruppe ein eigenes Häuschen, in das es sich auch mal allein zurückziehen kann.


Ausstattung

Was brauchen nun Deine Kaninchen?
Zuerst einen großen Käfig, der mindestens 1,2m groß sein sollte. Ideal wäre allerdings ein Käfig, der nur als Schlafgelegenheit genutzt wird, während die Hoppler den restlichen Tag Auslauf in der ganzen (kaninchensicheren!) Wohnung oder einem eigens eingerichteten Kaninchenzimmer genießen. Eure Langohren wollen selbstverständlich noch mindestens (!) ein (unbehandeltes Holz-) Häuschen zum Schlafen/Verstecken, das auch als erhöhter Aussichtspunkt genutzt wird, da Kaninchen gern den Überblick haben.
Außerdem brauchen sie unbedingt:

  • eine Heuraufe (die 24 Stunden täglich erreichbar und gefüllt sein muss)
  • Futternäpfe (am besten aus Ton/Steingut)
  • Trinknapf/-Flasche (der Napf gewährleistet eine gesündere Kopfhaltung und mehr Wasser kann aufgenommen werden)
  • Toilettenecke(n)
  • und etwas zum Spielen. Dafür bieten sich:
  • Kork-/Tonröhren
  • Weidenbrücken
  • Rascheltunnel
  • Papprollen
  • Kartons
  • Katzentoiletten als Buddelkisten (mit Spielsand aus dem Baumarkt befüllen)
  • Kuscheldecken und auch
  • Weidenbälle an (diese gibt es bei einem bekannten schwedischen Einrichtungshaus ;)).

Bei den Pappspielgeräten sollte darauf geachtet werden, dass sie am besten chlorfrei gebleicht und unbedruckt sind, da sie am liebsten zerkaut werden.

Ganz wichtig ist selbstverständlich auch eine geeignete Transportbox, damit Deine Langohren sicher zum Tierarzt kommen.

Man kann Kaninchen selbstverständlich auch draußen halten, dann aber bitte in einem gut isolierten, windgeschützten und trockenen Stall/ Gehege, das natürlich wieder groß genug sein sollte.
Bei solch bewegungsfreudigen Tieren kann ein Käfig/Gehege nie groß genug sein, aber eine Mindestgröße sollte nicht unterschritten werden. Als Grundregel sollte man 1m² für jedes Tier nicht unterschreiten um eine artgerechte Haltung zu gewährleisten.
Um seine Tiere eventuell an die Außenhaltung zu gewöhnen, sollten sie schon ab Anfang Mai nach draußen um sich langsam an den Sommer und später folgenden Herbst zu gewöhnen und damit die Kaninchen ein dichtes Winterfell bekommen können.
Ein richtiges Winterfell ist wasserabweisend und luftundurchlässig, so können die Tiere leicht Temperaturen von bis zu 20°C unter Null aushalten. Wenn noch ein Partner zum kuscheln da ist, wird es auch nicht ganz so schnell kalt.


Geschlechterkombinationen

Weibchen/Männchen
Ich persönlich habe sehr gute Erfahrungen mit einem Weibchen und einem Kastraten (= kastriertes/unfruchtbares Männchen) gemacht.
Wieso kastriert? Ich bin der Meinung, dass es schon mehr als genug Kleintiere in Tierheimen und anderen Auffangstationen gibt. Desweiteren sollte man über alle wichtigen Vererbungsfaktoren und eventuelle Problematiken einer Schwangerschaft bescheid wissen, bevor man das “Züchten” beginnt.

Männchen/Männchen
Das kann auf Dauer nur gut gehen, wenn beide Tiere kastriert werden. Wenn die beiden Rammler unkastriert in einem Gehege gehalten werden, kommt es meist nach Eintritt der Geschlechtsreife zu bösen Rang- und Revierkämpfen bei denen ein oder beide Tiere sich stark verletzen können. Wenn aber beipielsweise zwei Kastraten zusammengehalten werden, die sich schon vor der Geschlechtsreife gut verstanden hatten und auch vor dem 3. Lebensmonat kastriert wurden (=Frühkastration), dann kann das auch gut funktionieren.

Weibchen/Weibchen
Das ist eine nicht ganz so sichere Kombi, da unter den Mädels auch größere Zickerein entstehen können. Hier kann ein Kastrat Ruhe reinbringen.
Es kommt auch oftmals vor, dass sich zwei Wurfgeschwister ein Leben lang verstehen und selbst nach jahrelanger Harmonie plötzlich Streitereien auftreten. Wie aber bereits oben geschrieben, kann in solchen Fällen ein Kastrat beruhigend wirken.

Gruppenhaltung
Das ist für Kaninchen meist das allerschönste. Wie ich schon oben bei den Merkmalen der Kaninchen erläutert habe, leben sie in der Natur in sehr großen Gruppen zusammen. Daheim muss deswegen auf ausreichend Platz geachtet werden. Diese Form der Haltung bietet sich deshalb für die Außenhaltung oder Innenhaltung im Kaninchenzimmer an.
So eine Gruppe könnte zum Beispiel aus fünf Tieren (und mehr) bestehen. Bei 5 Tieren ist es eine gute Konstellation, wenn man 3 Mädels und 2 Kastraten in einer Gruppe hat. Bei viel größeren Gruppen (beispielsweise 12 Tieren) zerfällt meist die große Gruppe intern in kleine Grüppchen, das ist aber kein Grund zur Sorge, es sei denn ein Kaninchen sitzt immer allein.


Kastration von Männchen

Männliche Kaninchen sollten grundsäzlich kastriert werden, damit sie nicht unter ihrem ständigen Sexualtrieb leiden.
Weiterere Gründe sind verstärktes Markieren mit Urin (auch das Bespritzen von Wänden bis zu einem Meter hoch) extremes Revier- und Dominanzverhalten.
Man tut also nicht nur sich einen Gefallen, sondern am meisten dem Rammler, da er nicht mehr unter ständigem Stress steht.


Zusammenführung von Kaninchen

Wenn sich Kaninchen nicht kennen, aber bald zusammen leben sollen, dann muss man sie richtig aneinander gewöhnen. Das passiert am besten mit viel Zeit (Geduld) auf neutralem Boden, d.h. ein Ort, den keines der Kaninchen zuvor betreten und markiert hat. Somit wird es keine Revier-, sondern lediglich Rangordnungskämpfe geben, die stärker (kleine Beißerein, Gejage, immer wiederkehrendes Gerammel) oder schwächer (kurzes Gerammel und schon wird zusammen gegessen und geschlummert) ausfallen können.

Hier sollte neben viel Platz zum Ausweichen auch auf mehrere Futterplätze und Versteckmöglichkeiten geachtet werden. Denn es kann vorkommen, dass so eine Zusammenführung mehrere Stunden/Tage/Wochen in Anspruch nimmt. Deswegen sollte man sich dafür auch ein ruhigeres oder auch verlängertes Wochenende Zeit nehmen, um nicht auch selbst unter Zeitdruck zu stehen. Gut wäre es auch, wenn man den für die ZF geplanten Raum nicht sofort wieder nutzen möchte/muss.
Ich kann für eine Zusammenführung aber keine Zeitpauschale nennen, da nunmal jedes Tier auch einen eigenen Charakter hat.
Wichtig ist einfach, dass man die Langohren nicht aufgrund von Zeitmangel wieder trennt.

Bei einer (anfänglichen) starken Unterwerfung eines Tieres, sollte auch nicht sofort aufgegeben und getrennt werden.
Meist gibt sich dieses Verhalten und die Tiere werden nach möglichen geschätzten zwei Wochen ein harmonisches Paar, sofern es keine unüberwindbaren Unstimmigkeiten oder zu starke Beißerein gibt.
Grund für so eine ungewöhnliche Angst/Schüchternheit kann sein, dass einmal schlechte Erfahrungen mit sehr dominanten Kaninchen gemacht wurden, oder es zu einer stärkeren Beißerei gekommen ist. Hier gilt es, das unterwürfige Kaninchen regelmäßig auf Bissspuren zu untersuchen und auch ob es regelmäßig und genügend frisst. Um eine Gewichtsabnahme zu vermeiden, sollte man anfangs selbstverständlich auch mindestens zwei Futterplätze einrichten.
Ganz allgemein ist eine ZF für Menschen schwer anzusehen, da es schon zu größeren Prügelein, Beißerein mit Fellflug oder dauernder Rammelei kommen kann.

Es ist wirklich wichtig, dass die Tiere bei einer ZF erst getrennt werden, wenn eins oder mehrere Tiere Schaden nehmen. Das bedeutet nicht, dass ein Tier schüchtern in der Ecke sitzt oder auch mal faucht, dies gehört dazu und sollte bitte kein menschliches Mitleid hervorrufen. So ist es nun einmal in der Natur.
Gründe für ein Eingreifen des Menschens wären also starke Beißerein mit blutenden Wunden.

.:back:.

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