Krankheiten

Leider sieht man es nicht sofort wenn ein Kaninchen krank ist, das ist ein natürlicher Instinkt um nicht als Futter für Fressfeinde zu enden. Es sei denn, man beachtet die unter “Pflege” genannten Punkte, dann lässt sich recht früh feststellen, das mit dem Langohr etwas nicht stimmt.
Hier nun eine kleine Liste von Krankheiten mit den auffälligsten Symptomen.

Eine Anmerkung:
Auch wenn manche Tierärzte anderes behaupten, nur bei den wenigsten Krankheiten ist es besser für das Tier, wenn es eingeschläfert wird. In solchen Fällen ist dann aber meist die Krankheit schneller als der Arzt (bspw. RHD: akuter Verlauf).


Bindehautentzündung

Bei Cookie begann diese Krankheit folgendermaßen:
Anfangs kniff sie ihr linkes Auge zu um dieses zu schonen, da es auch schmerzte. Sie fraß und trank aber noch genauso wie immer, hoppelte auch ganz fidel herum. Nur machte sie am Abend beide Augen zu und wollte schon lieber sitzen als wie sonst kuscheln und herumtollen.
Am nächsten Tag verschrieb mir der TA aufgrund der diagnostizierten BHE ein Breitbandantibiotikum in Form von Augentropfen. Diese halfen leider nicht und auch ihr Gesamtzustand verschlechterte sich zusehends. Wegen der starken Schmerzen im Auge drehte sie ihr Köpfchen ein und saß den ganzen Tag eingerollt in der Ecke.
Der TA gab mir später noch eine Cortisonsalbe mit, welche bald schon half, dass sich Cookie besser fühlte. Sie fing wieder an vernünftig zu fressen und bewegte sich auch wieder mehr. Das war eine Erleichterung! Nach 5 Tagen mit der Salbe und den Tropfen war die BHE komplett besiegt.

Sonstige Symptome sind:
Eine Schonhaltung, das Schließen des/der betroffenen Auges/n, verklebte und/oder stark gerötetete Augeninnenhäute/Augenlider und ein allgemeines Unwohlsein aufgrund der Schmerzen. Manchmal haben die Kaninchen auch verkrustete und tränende Augen, aber auch schon das Zukneifen des Auges ist ein Indiz für eine beginnende BHE.

Sollte dies beobachtet werden, muss bald ein TA aufgesucht werden um eine geeignete Behandlung zu beginnen. Außerdem kann dann abgeklärt werden, ob nicht “nur” ein Fremdkörper (Heu, Strohhalm, etc.) ins Auge eingedrungen ist, der eventuell die Hornhaut beschädigt hat.


Milben, Läuse, Haarlinge, Pilzerkrankung

Wenn sich ein (oder alle) Kaninchen auffällig oft kratzt und insgesamt auch ein ruhigeres Verhalten zeigt als sonst, sollte das Fell überprüft werden. Entweder man entdeckt kreisrunde kahle Stellen oder direkt die Nissen (=Eier) der Parasiten.
Ohrmilben sind dann am Werk wenn oft das Ohr gekratzt und der Kopf geschüttelt wird.
Hier, wie auch bei den nachfolgenden Krankheiten, sollte man sofort zum TA gehen um Schlimmeres zu vermeiden und eine geeignete Behandlung zu beginnen.
Die Umgebung (Zimmer, Gehege/Ausstattung, …) sollte ebenfalls gereinigt und behandelt werden.

Bitte benutzt bei einem Flohbefall in keinem Fall Frontline! Das vertragen Kaninchen nicht und können sogar daran versterben.

Ohrmilben

Hier kann wie gesagt man am häufigen Kopfschütteln oder Kratzen der Ohren erkennen, dass etwas nicht stimmt. Erkennt man dann im Ohr noch krustige Beläge (Borken) ist das ein sicheres Zeichen für einen Befall mit Ohrmilben. Diese ernähren sich zunächst im Gehöhrgang von Blut und erzeugen dadurch diese Verkrustungen. Wird gegen diese kleinen Parasiten nicht vorgegangen wandern sie ins Mittel- oder sogar ins Innenohr und können großen Schaden (inklusive starker Schmerzen) verursachen.
Bachten sollte man bei einem Befall mit Ohrmilben, dass die gesunden von den erkrankten Tieren getrennt werden, da gelöste/herausgefallene Borken ansteckend sind und somit andere Kaninchen infizieren können.


Kokzidiose

Diese Krankheit äußert sich meist durch starken übelriechenden Durchfall, auffällig verformten Kot. Das Kaninchen frisst nicht mehr und hat meist auch einen dicken aufgeblähten Bauch. Insgesamt wirkt es auch apathisch.
Es ist wichtig zu wissen, dass diese Krankheit hochgradig ansteckend ist, auch wenn sich die Tiere nicht unmittelbar berühren, kann die Krankheit über den Menschen, Sporen im Heu oder infizierten Kot verbreitet werden. Deswegen ist es notwendig, auf Hygiene zu achten und regelmäßig alle Teile (Käfig, Häuschen, Näpfe, Spielzeug,…) abzuwaschen, zu desinfizieren oder komplett auszutauschen. Leider verläuft diese Krankheit oft auch tödlich.
Wenn jedoch behandelt wird, sollte außerdem darauf geachtet werden, dass die Darmflora unterstützt/ wieder aufgebaut wird, beispielsweise mit “Bird Bene Bac”. Manchmal ist auch eine Zwangsernährung mit Babybrei (Karotte) oder Critical Care durch eine aufgezogene Spritze ohne Nadel, pro Kilogramm Körpergewicht 50ml über den Tag verteilt.

Leber-/Gallenkokzidiose

Hierbei muss kein Durchfall auftreten, aber dennoch ist meist durch die angeschwollene Leber ein aufgeblähter Leib zu beobachten. Ein gesundes, immunstarkes Tier lagert diese Parasiten in Kalkpanzern auf der Leberoberfläche ein. In dieser Form sind die Kokzidien für das Kaninchen unschädlich. Wird aber das Immunsystem geschwächt, durch Stress oder andere Ursachen, können die Kalkspeicher aufbrechen und den Organismus mit einer Kokzidienschwemme vergiften.

Bitte bedenkt, dass eine gewisse Anzahl an Kokzidien immer im Kot enthalten ist und so lange diese Zahl nicht überhand nimmt, ist nichts zu befürchten.


Kaninchenschnupfen

Diese Krankheit klingt harmlos, ist sie aber nicht! Kaninchenschnupfen wird durch Pasteurellen/ Bordetellen/ Staphylokokken/ … ausgelöst und ist eine bakterielle Infektion. An sich gefährlich hierbei ist aber nicht die Infektion selbst, sondern die damit ausgelöste Immunschwäche, die das Kaninchen anfälliger für andere Krankheiten macht.
Der Kaninchenschnupfen äußert sich, wie man sich das so vorstellt, mit einer laufenden, feuchten Nase/Ausfluss und häufigem Niesen. Wenn das Tier beginnt zu röcheln, dann ist die Infektion schon weiter in die tieferen Atemwege fortgeschritten und es muss sofort der TA aufgesucht werden.
Es gibt aber auch zwei verschiedene Verlaufsmöglichkeiten:

  • der akute Verlauf
    Hier gelangen die Erreger in den Blutkreislauf und greifen das Immunsystem an. Dadurch kann es zu weiteren Symptomen wie Mittelohrentzündung und Durchfall kommen. Wenn das Langohr nicht sofort behandelt wird, kann nach ungefähr einer Woche der Tod eintreten, da auch hier Nahrungs- und Wasseraufnahme verweigert werden.
  • der chronische Verlauf
    Bei dieser Form handelt es sich um einen schwächeren Krankheitsverlauf, bei dem sich das Kaninchen quasi an die Erreger und die Symptome gewöhnt hat. Das kann auch alles ganz harmlos so weiter gehen, bis dann aber der nächste Krankheitserreger hinzu kommt. Damit das nicht passiert, muss das Immunsystem mit gesunder, abwechslungsreicher Nahrung und homöopatischen Mitteln (bspw. Echinacea) gestärkt werden.

Natürlich ist es besser, sich im Vorfeld etwas abzusichern und diese Krankheit gar nicht erst ausbrechen zu lassen, indem man seine Kaninchen regelmäßig impfen lässt.
Die Basis ist hier eine zweimalige Grundimmunisierung. Die erste Impfung kann schon ab einem Alter von 4 Wochen erfolgen, wobei eine regelmäßige Nachimpfung im Abstand von 6 Monaten erfolgen muss.
Diese Impfung ist sehr umstritten, da sie nur in 70% aller Fälle wirkt und bloß vor Pasteurellen und Bordetellen schützt. Es gibt aber mehr Schnupfen verursachende Bakterien bei Kaninchen, die bis heute noch nicht erforscht sind und gegen welche es dem entsprechend auch keinen Impfstoff gibt. Ein anderes Problem ist, dass geimpfte Kaninchen zu Über-/Trägern der Bakterien werden und somit ungeimpfte, immungeschwächte Tiere anstecken können.


Myxmatose/Kaninchenpest

Diese Viruserkrankung wird durch einen Pockenerreger verursacht und kann durch direkten Kontakt des Menschen, verseuchtes Futter und Stechmücken leicht vom Wildkaninchen auf das Haustier übertragen werden. Mücken sind hierbei aber der Hauptübertragungsweg, aber auch der Kaninchenfloh, Zecken und andere Blutsauger kommen als Überträger in Frage.
Der beste Schutz für Haus- und Heimkaninchen ist die vorbeugende jährliche Impfung im Frühling.
Die Impfung ist fünf bis sechs Monate wirksam und schützt somit über einen Sommer hinweg. Wenn in der Nähe stehende Gewässer vorhanden sind, sollte die Impfung sogar 2x jährlich erfolgen.
Die Impfung wird gut vertragen, wobei an der Impfstelle ein kleines Knötchen entstehen kann, das mit der Zeit abschwillt. Ein Problem bei dieser Impfung ist, dass leider dennoch Tiere erkranken können (sogenannte Impfmyxomatose), wobei der Verlauf dann nicht ganz so stark ist und für die infizierten Kaninchen eine reelle Überlebenschance besteht.

  • Der akute Krankheitsverlauf:
    Die Inkubationszeit (=Zeit nach der Ansteckung ohne Symptome) beträgt 3-5 Tage , dann kommt es zu Schwellungen und Entzündungen aller Schleimhäute. Zunächst an den Augenlidern, später am Ohr, an den Lippen und Nase. Auch in der After- und Genitalregion treten diese Schwellungen auf.
    Der gesamte Körper und der Kopf (Löwenkopf) wirken aufgedunsen.Weiterhin sind die Tiere benommen, verweigern die Nahrung und bauen zunehmend ab.
    Der Tod tritt 10 bis 12 Tage nach Krankheitsbeginn ein. Die Aussichten beim akuten Verlauf sind schlecht, da es keine Behandlungsmöglichkeiten gibt.
    Ein Tier im Endstadium leidet stark, entweder es verhungert oder erstickt.

    Es könnte gegebenenfalls eine Notimpfung eingesetzt werden, wenn nur ein Teil des Bestandes erkrankt ist. Die nicht sichtbar erkrankten Tiere können eventuell dadurch gerettet werden. Je nach Ansteckungsgrad sterben 20 bis 100% aller infizierten Tiere.

  • Beim chronischen Krankheitsverlauf treten nur wenige Schwellungen an Nase, Auge, Genital- und Afterregion auf und manchmal wird ein Teil der Tiere wieder gesund.


RHD/Chinaseuche

Die Chinaseuche oder auch RHD (Rabbit Hemorrhagic Disease) ist eine meist tödlich endende Infektionserkrankung die durch ein äußerst widerstandfähiges Calicivirus ausgelöst wird. Dieser Virus bleibt bei 4°C bis zu 225 Tage lebensfähig und somit infektiös.
Das erste Mal trat diese Krankheit 1984 in China auf, deswegen dieser Name. 1988 kam die Chinaseuche nach Deutschland, bis sie 1992 schließlich in England die ersten Kaninchen niederstreckte. Jungkaninchen im Alter von 4 bis 10 Wochen erkranken meist nicht dran.

Symptome drei verschiedener Verlaufsformen

  • perakuter Verlauf
    Ohne vorherige Krankheitsanzeichen bricht das Tier plötzlich unter Atemnot zusammen und erstickt. Dabei biegen die meisten Tiere auseinem natürlichen Reflex den Kopf nach hinten um Luft zu bekommen. Das gelingt leider nicht und deswegen findet man die Tiere meist in dieser Form tot auf. Oft sieht man auch Blut dass aus der Nase austritt.
  • akuter Verlauf:
    Hier zeigen sich nach ca. 2 bis 4 Tagen der Ansteckung die ersten schweren Symptome. Das Tier ist benommen, unruhig, leidet Atemnot oder Dyspnoe (=schweres Atmen), Fieber tritt auf, Appettitlosigkeit, blaugefärbte Schleimhäute (Zeichen der Sauerstoffunterversorgung), Blut aus den Körperöffnungen und blutiger Durchfall können auftreten. Auch hier findet man die Tiere oft mit nach hinten gebogenem Kopf vor, außerdem kann man blutig schaumingen Nasenausfluss erkennen.
  • milder Verlauf:
    Hier scheint das Tier sich allgemein unwohl zu fühlen, wobei diese Anzeichen nach einigen Tagen abklingen und ein normaler Gesundheitszustand wieder eintritt. Da ein allgemeines Unwohlsein nicht direkt auf RHD schließen lässt, wird sie oftmals nicht erkannt. Diese Tiere bleiben ein Leben lang Überträger des Virus, auch bei einer erworbenen Immunität.

    Bei ausgebrochener Krankheit gibt es kaum Behandlungsmöglichkeiten, außer Antibiotika und andere Präparate spritzen. Diese helfen meist aber nur bei einem schwächeren Verlauf und schützen vor einer Sekundärinfektion mit weiteren Krankheiten.

Die einzig wirkungsvolle Behandlung bietet eine jährliche Schutzimpfung. In Gebieten mit hohem Infektionsdruck erfolgt eine Grundimmunisierung worauf dann nach 3-4 Wochen eine Wiederholungsimpfung gesetzt wird. Wenn kein so hoher Infektionsdruck herrscht, ist eine einmalige Impfung mit 8-12 Wochen ausreichend. Alle Hauskaninchen sollten diese Impfung erhalten, auch jene, die im Haus leben, da Fliegen, blutsaugende Insekten, Tröpfcheninfektion, Kontaktinfektion (mit verseuchtem Futter, kranken Tieren, infektiösem Kot,…), der Mensch (Kontakt mit einem kranken Tier) als Erreger/ Überträger in Frage kommen.
Es sollten nur gesunde Tiere geimpft werden, wobei auch trächtige und junge Tiere diese Impfung problemlos ab der 4. Lebenswoche erhalten können. Da ein Todimpfstoff (=aktive Impfung mit abgetöteten Viren, die im Körper eine Antikörperproduktion auslösen) verabreicht wird, wird die Impfung meist gut vertragen.


Headtilt/ E.C.

Auffällig bei dieser Krankheit ist in erster Linie die Kopfschiefhaltung und im späteren Verlauf Umkippen, unkontrolliertes Drehen um die Längsachse oder auch Zuckungen. Eine Kopfschiefhaltung kann aber auch andere Ursachen haben, wie zum Beispiel eine Ohrenentzündung, Schlaganfall, Parasiten die das Gehirn schädigen oder ein Schnupfen (Pasteurellen) der sich verlagert hat. Wenn die anderen Erkrankungen auszuschließen sind, liegt meist eine Infektion mit Enzephalitozoon Cuniculi vor.
Dabei handelt es sich um einen Einzeller, der das Gehirn, das zentrale Nervensystem und innere Organe angreift.

Ein Tier infizert sich über die hochinfektiösen Sporen. Diese können vom Menschen, anderen Tieren, Futter, Urin/Kot und erkrankten Tieren eingeschleppt werden. Wenn ein Tier diese Sporen aufnimmt, gelangen sie in den Darm, vermehren sich dort und finden ihren Weg in den Blutkreislauf in den gesamten Körper. Viele Tiere haben den Errerger schon in sich, as aber nicht bedeutet, dass sie daran erkranken. Man kann das eventuell mit dem Herpesvirus im Menschen vergleichen. Nicht jeder Mensch der den Herpesvirus in sich trägt, hat letztendlich auch die Krankheit..

Symptome:

  • Beim akuten Verlauf kommt es meist zu einer Kopfschiefhaltung (durch die vom Virus verursachte Nervenschädigung), sowie Gleichgewichtsstörungen, Koordinationsstörungen und eventuellen Lähmungserscheinungen der Beine. Manchmal treten auch nur sporadisch solche Lähmungserscheinungen in den Hinterläufen auf, die allerdings wieder abklingen und auch nicht immer wird der Kopf verdreht.
    Durch die Schädigung der Nerven werden auch veränderte Pupillenreflexe, Augenzittern, Linsenriss und Eiweißsablagerungen im Auge beobachtet. Die Eiweißablagerungen können auch ein entfernen des Auges notwendig machen.
    Wird das Tier nicht unverzüglich behandelt, kommt es zur Verschlimmerung des Zustandes. Es treten verstärkt Lähmungserscheinungen auf und die Nervenschädigung geht soweit, dass das Kaninchen krampft, immer wieder umkippt und sich sogar in Krämpfen um die eigene Längsachse dreht. Es werden auch die inneren Organe in Mitleidenschaft gezogen, manchmal derart, dass keine Heilung mehr möglich ist.
  • Beim chronischen Verlauf sind die Erreger über einen längeren Zeitraum im Körper ohne Schaden anzurichten und es treten sporadisch Symptome auf. Auch hier sollte eine sofortige Behandlung erfolgen um größere Schäden zu vermeiden

Eine Behandlung sollte schnell und vorranging mit Fenbendazol (= Wurmmittel, Antiparasitikum) durchgeführt werden. Eine Behandlungsdauer von 3-4 Wochen sollte in keinem Fall unterschritten werden. Unterstützend sollte die Behandlung mit Chloramphenicol (=Anitibiotikum), Vitaminen und Cortison erfolgen.

Wir wissen, dass Antibiotika eine negative Wirkung auf die Darmflora von Kaninchen haben. Da durch die Krankheit wahrscheinlich auch die Nahrungsaufnahme verweigert wird, sollte somit die Antibiotikagabe per Injektion erfolgen.
Um die Darmflora zu unterstützen sollte BirdBeneBac gegeben werden und im Fall einer Nahrungsverweigerung 2-4 Mal täglich mit Babybrei (Karotte, Apfel, oder selbstgemachtem Brei aus Wasser, pürierten Heukrümeln, Apfel, Banane, Karotten, Pfefferminzblättern) zwangsernährt werden.
Hierbei gibt man 10 Milliliter mit einer Spritze ohne Nadel ins Mäulchen. Das beste ist in jedem Fall, den TA zu Rate zu ziehen, dieser kann auch CriticalCare mitgeben, ein Brei, der genau für solche Situationen geeignet ist und genügend Rohfaser und Energie enthält.
Um die Regeneration der Nerven zu fördern empfielt sich eine Vitamin-B Gabe.

Mit dieser medikamentösen Behandlung sollte sich der Zustand nach ungefähr 4 Tagen deutlich verbessern.
Erwähnenswert ist noch, dass nicht alle Kaninchen ihre Kopfschiefhaltung verlieren und nach überstandener Krankheit wieder völlig geheilt sind. So eine zurück behaltene Kopfschieffhaltung stellt in der Regel aber keine Belastung dar und das Tier arrangiert sich gut damit.


Durchfall

Wenn der Kot seine normale Form von Kügelchen verloren hat, weich oder breiig bis wässrig ist, das Kaninchen aber sonst keine Verhaltensänderung zeigt, liegt eventuell ein Fütterunsgfehler vor. Kaninchen vertragen beispielsweise keine abprupte Futterumstellung, feuchtes oder verdorbenes Frischfutter.
In so einem Fall bietet sich auch die Gabe von Sab Simplex (Ein Humanpräparat für Babies, gehört in jede Kaninchenapotheke) an, da Durchfall auch manchmal mit Blähungen einhergehen kann. Außerdem sollte für die nächsten 2 Tage ersteinmal komplett auf FriFu verzichtet und nur Heu und Wasser gegeben werden. Um dem Kaninchen einen Kreislaufzusammenbruch zu ersparen, kann eine Elektrolytelösung ins Trinkwasser gegeben werden. Solch eine Lösung erhält man in der Apotheke, man kann notfalls aber auch Dextroenergen in Wasser auflösen.

Ist der Zustand nach 24 Stunden nicht deutlich besser und der Durchfall weg, sollte unbedingt ein TA aufgesucht werden! Dieser hilft mittels Kotuntersuchung die Ursache zu klären und kann BBB (Bird Bene Bac) geben, damit die Darmflora nicht leidet.


Verstopfung

Wenn Kaninchen sich im Fellwechsel befinden, oder auch sonst einen relativ starken Haarausfall haben, kann es sein, dass sie beim Putzen Haare verschlucken und sich somit Haarballen im Darm bilden, welche die Verdauung beeinträchtigen. Das erkennt man daran, dass die Kotkügelchen kleiner und härter als gewöhnlich sind.
Eine Erstversorgung stellt das Absetzen von Trockenfutter (ich meine gesundes TroFu 😉 ) und einer vorrangigen Gabe von FriFu dar. Dabei sollte selbstverständlich darauf geachtet werden, dass die ansonsten übliche Menge von 200gr pro Tier am Tag nicht überschritten wird.
Weiterhin kann mit einer zwei- bis dreimaligen täglichen Gabe von 1ml Paraffinöl der Haarabgang erleichtert werden. Dies wird über eine Spritze ohne Nadel (Fragen sie ihren Arzt oder Apotheker… ) ins Mäulchen gegeben.

Verbessert sich der Zustand nicht, sollte umgehend ein TA aufgesucht werden, der die genaue Ursache der Verstopfung feststellt um diese zu beseitigen.

Vorbeugend kann man seinem Kaninchen, dass für das gegenseitige Putzen zuständig ist oder besonders zu Zeiten des Fellwechsels Nagermalt verabreichen. Diese sollte vorsichtig dosiert werden um nicht Durchfall zu verursachen. Manche Tiere mögen auch den strengen Geruch nicht, also kann man das Nagermalt (beispielsweise Gimborn Nagermalt) in einem Basilikumblatt verstecken, das ja einen eigenen starken Geruch besitzt.


Trommelsucht/Blähbauch

Der Name klingt eigenartig, kommt aber nicht von ungefähr. Da das Kaninchen unter starken Schmerzen des aufgeblähten Bauches leidet, klopft (trommelt) es mit den Hinterläufen. Zum anderen entsteht ein Klopfschall, wenn man mit der Hand den Bauch abklopft. Das sollte aber nur der TA machen, da das Kaninchen ohnehin schon genug Schmerzen hat.

Zur Trommelsucht kommt es meist durch eine starke Gasbildung die von falschem, verdorbenem oder blähendem FriFu, einer plötzlichen Futterumstellung, Antibiotika oder Haarballen verursacht wird. Auch Jungtiere die nicht lang genug Muttermilch zu sich nehmen konnten (zu frühes Verkaufen, plötzlicher Tod der Mutter, etc.) haben eine zu schwache Darmflora, bei der es zur Trommelsucht kommen kann.

Symptome sind Unruhe (lieber Laufen, Liegen, oder Sitzen?), Zähneknirschen aufgrund von zunehmend starken Schmerzen und ein Klopfen mit den Hinterläufen. Meist kann man auch den aufgeblähten Magen auf der linken Körperseite erkennen. Dieser kann auch auf die Lunge drücken und somit die Atmung beeinträchtigen, was weiterhin eine Kreislaufschwäche zu Folge haben kann.

Wird so ein Blähbauch beobachtet, muss sofort zum Arzt gegangen werden, da das Tier sonst innerhalb weniger Stunden versterben kann.
Der TA würde dann die Gase über eine Magensonde ableiten oder gasbindende Medikamente verabreichen. Zusätzlich werden kreislaufstabilisierende und schmerzstillende Medikamente gegeben.
Wenn es sich nicht um eine starke Magenblähung handelt, kann man daheim auch Sab Simplex verabreichen.

Um so einer Krankheit vorzubeugen, sollte unbedingt auf die Qualität des (Frisch-)Futters geachtet werden. Auch sollte es gut temperiert, also nicht zu kalt sein. Nicht vergessen sollte man, dass besonders nasses, welkes, angefaultes, stark blähendes FriFu zu großen Verdauungsproblemen führen kann. Wichtig ist auch, dass genügend Heu und somit Rohfaser aufgenommen wird. Eine stark eiweißreiche, einseitige Fütterung kann ebenso an einer Magenblähung beteiligt sein.

Bei Futterumstellungen immer langsam und schrittweise vorgehen, da erst de entsprechenden Bakterien im Kaninchendarm gebildet werden müssen, die für das jeweilige Futter zuständig sind. Das selbe gilt auch beim Absetzen von bestimmten Futtersorten. Das Kaninchen muss langsam entwöhnt werden, damit die plötzlich “arbeitslosen” Bakterien keine Fehlgährungen verursachen.
Wenn speziell auch Trockenfutter abgewöhnt werden soll, sollte dies über einen Zeitraum von 3-4 Wochen erfolgen, in denen das TroFu stetig auf null reduziert wird.


Schlaganfall

Durch Gerinnungsstörungen (bspw. durch einen starken Kokzidienbefall) können Blutgefäße im Gehirn verstopfen und nicht mehr richtig durchblutet werden. Dadurch sinkt die Nähr- und Sauerstoffversorgung im entsprechenden Gehirnareal und es kann passieren, dass das Gewebe abstirbt.
Diese Unterversorgung führt zu plötzlichen Ausfallerscheinungen, wie Schwäche, Gleichgewichtsstörungen, Lähmungen, Taub-/Blindheit, epileptische Anfälle können ebenso auftreten.

Selbstverständlich muss auch hier ohne Zögern ein Tierarzt aufgesucht werden, denn es ist eine ernstzunehmende Krankheit! Bei einer rechtzeitigen und korrekten Behandlung lassen sich auch die Spätfolgen drastisch verringern.
Noch wichtiger ist es allerdings zu klären, ob nicht eine Infektion mit E.C. vorliegt, da hier ähnliche Symptome auftreten.


Epilepsie

Bei dieser Krankheit ist das eindeutigste Symptom die spontan auftretenden Krampfanfälle die einige Sekunden (bis 30 in etwa) dauern können.
Das Kaninchen wirft sich auf die Seite und krampft; die Beine zucken und die Augen verdrehen sich. Danach zeigen die Tiere meist keinerlei Veränderung im Verhalten, es ist alles so wie immer. Andere, zusätzliche Symptome können sein, Bewusstseinsstörungen, Ohnmacht und unkontrolliertes Ausscheiden von Urin/Kot.
Da bisher nur wenige Tierärzte Erfahrungen mit Epilepsie bei Kaninchen haben, wird hier oft fälschlicherweise Headtilt vermutet und dagegen behandelt.
Eine Epilepsiebehandlung sieht allerdings anders aus. Zuvor muss mit einem EKG und/oder Ultraschall geschaut werden, ob nicht eventuell ein Herzfehler für diese Krämpfe verantwortlich ist. Auch können Gehirntumoren das Gehirn schädigen und Krämpfe auslösen. Um diese Erkrankung auszuschließen, muss selbstverständlich geröntgt werden. Eine Behandlung mit Vitamin-B und Luminaletten (= Phenobarbital = Anti-Epileptikum) zeigt langfristig gute Erfolge.

Beobachtet man so einen Anfall daheim, kann man aber auch einiges tun um beruhigend auf das Tier einzuwirken. Zum einen müssen alle Stressfaktoren (wie laute Musik, TV, etc) ausgeschalten und auch jegliche Gefahrenquelle (spitze, scharfe, harte Gegenstände auf dem Boden) beseitig werden. Auch sollte man das Kaninchen nicht auf den Arm nehmen oder anfassen, sondern es einfach liegen lassen, bis der Anfall endet.
Danach sollte ein Arzt aufgesucht werden, wenn es sich um den ersten Anfall handelt. Ist das Kaninchen in einer Behandlung, muss auch Rücksprache mit dem behandelnden TA gehalten werden, ob die Medikamentendosis variiert werden muss etc.


Zahnfehlstellung/Zahnanomalien

Eine Anomalie ist etwas, das nicht normal ist, also ein Zustand, der eher selten vorkommt. Bei Zahnfehlstellungen kann man mittlerweile nicht mehr davon ausgehen, dass sie selten vorkommen.
Es gibt zwei Formen der Zahnfehlstellungen und damit auch zwei Ursachen. Zum einen die angeborene Zahnanomalie durch falsche Ideale und schlechte Zucht (speziell “Kinderzimmerzuchten” & Inzucht) und zum anderen die erworbenen Zahnanomalien, die durch falsche Ernährung entstehen.
Beim beliebten Kugelkopf ist beispielsweise der Kiefer stark verkürzt und somit haben die ständig nachwachsenden Backenzähne keinen Platz und wachsen nicht korrekt. Sie stehen nicht genau auf einander und können sich nicht gegenseitig abnutzen.
Dann entstehen schmerzhafte Zahnspitzen, die in regelmäßigen Abständen vom Tierarzt entfernt werden müssen.
Die falsche Ernährung ist:
Zu wenig Heu, Getreide im TroFu und keine Knabbermöglichkeiten (Äste, Holz). Ernährt man seine Tiere gesund und naturnah, mit vielen Knabbermöglichkeiten, kann man solchen erworbenen (nicht den angeborenen) Zahnproblemen entgegenwirken.

Symptome die auf Zahnprobleme schließen lassen:
Das Kaninchen frisst weniger, langsamer und überwiegend weiches Futter, sabbert, hat tränende Augen und wirkt insgesamt ruhiger. Manchmal wachsen die Zähne in die Zunge, den Ober- oder Unterkiefer, dann hat das Tier qualvolle Schmerzen. Bei solch fortgeschrittenen Zahnproblemen, kann man auch häufig das Herausteten eines oder beider Augen beobachten, da sich der Zahn im Kopf seinen Platz sucht…
Wenn die Zahnspitzen Verletzungen im Mund hervorrufen, kann die Situation dramatisch werden. Es können eitrige, schwer heilende Abszesse entstehen und verschluckter Eiter kann zu erheblichen Darmproblemen führen.

Zahnfisteln

Hier handelt es sich um schmerzhafte Schwellungen am Kiefer, die von einem entzündeten Zahn (oder -Wurzel) verursacht werden. Diese Entzündungen können eitrig durch die Haut aufbrechen und auf das Auge übergreifen. Hier kommt es neben der dicken Backe auch zu ähnlichen Symptomen wie bei de Zahnfehlstellungen: langsames, vermindertes Fressen, Schmerzen, tränende Augen.

Wer also Veränderungen beim Fressen beobachtet, sollte dringend und schnellst möglich die Zähne vom TA untersuchen lassen.


Abszesse

Diese eitrigen Entzündungesherde werden durch Bakterien verursacht, die durch kleine Wunden in den Körper eindringen. Es bildet sich eine eitergefüllte Kapsel, die leider meist nicht leicht zu entdecken ist. Vorallem die durch Zahnspitzen verursachte Abszesse im Mund- oder im Kieferbereich (durch falsche Belastung der Zähne: Getreide im Futter) sind nur schwer zu ertasten und zu erkennen. Schmerzen beim Fressen deuten drauf hin.
Wenn ein Abszess am Körper entsteht (Bisswunde o.ä.) dann kann man diese jedoch gut als “Knubbel unter der Haut” ertasten. Solche kleinen Wunden können im Rahmen einer Zusammenführung schnell passieren, deswegen ist es wichtig, die Tiere regelmäßig auf Bisswunden (und eventuelle spätere Abszesse) zu kontrollieren.
Sonst gibt es leider keine weiteren Hinweise auf Abszesse, da die Kaninchen sich meist ganz normal verhalten, fressen, spielen und alles. Es sei denn, es handelt sich um eine schwere Abszesserkrankung, dann zeigt sich diese gekoppelt durch Gewichts- und Aktivitätsabnahme.
Wenn dann einmal so ein Abszess oder auch nur eine Auffälligkeit am Kaninchen festgestellt wird, muss die Behandlung beim TA sofort erfolgen, da diese Krankheit schwer zu heilen ist.

Der TA öffnet diesen Abszess (je nach Lage, Größe unterschiedlich) und versucht den für Kaninchen typischen sehr zähen Eiter abfließen zu lassen. Wenn die Lage des Abszesses es zulässt, wird dieser auch in einer OP komplett mit Kapsel entfernt. Dies ist zwar ein großer, aber recht erfolgreicher Schritt.
Problematischer wird die Behandlung bei Kieferabszessen und auch dann, wenn der Eiter den Knochen angreift und zersetzt.
Meist wird die Wunde offen gelassen und täglich gespült, damit sie sauber von innen zuwächst, da sonst die Gefahr einer neuen Abszessbildung sehr groß ist. Das Spülen muss unbedingt solange erfolgen, bis die Wunde vollständig verheilt ist.
Dafür eignet sich Rivanol (Tabletten die in Wasser gelöst werden), Chloramphenicol (Breitspektrum-Antibiotikum) oder eine drei prozentige Wasserstoffperoxydlösung. Letztere reizt aber das Gewebe unnötig.
Wenn der Eiter sehr zäh und schwer zu beseitigen ist, ist eine Behandlung mit Leukasekegeln (lokales Antibiotikum) in der Wunde ratsam.
Im Allgemeinen ist es leider so, dass die Abszesse regelmäßig wiederkehren und nur schwer zu beseitigen sind. Es bedarf viel Geduld und Hingabe, denn solange das Kaninchen nicht aufgibt, sollte es der Mensch erstrecht nicht tun.

Liste wird demnächst fortgesetzt mit:


Hitzschlag


Unterkühlung

.:back:.

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