Kaninchen verstehen

Kaninchen haben ein umfangreiches Verhaltensrepertoire und obwohl sie sehr stille Mitbewohner sind, geben sie in den entsprechenden Situationen auch Laute von sich.

1. Lautsprache

  • Fiepsen: Dies ist vor allem bei ganz jungen Kaninchen im Nest zu hören. Es ist ein ängstlicher Klagelaut und dient auch als Lockruf für die Mutter.
  • Murksen/Knuckern: Ein schnell hintereinanderfolgender Schimpflaut. Dieser kann auftreten, wenn man das Kaninchen aus dem Käfig holen oder in die Transportbox stecken will.
  • Fauchen/Knurren: Das sind Abwehr- und Aggressionslaute. Auf solche Laute kann ein Angriff folgen!
  • Kreischen/Quieken: Dies ist nur bei Todesangst zu hören oder wenn ein Kaninchen unerwartet gegriffen und dabei sehr erschreckt wird.
    Das Kaninchen kann in eine Starre verfallen, dementsprechend muss es beruhigt, oder in Ruhe gelassen werden. Bei solch einer Starre helfen auch Rescue-/Notfalltropfen einer Bachblütenmischung.
  • Knurren: Diesen Laut kann man meist beim Rammler nach dem Deckakt und beim Umwerben einer Häsin hören.
  • Zähneknirschen: Meist ist dieses Geräusch mit erkennbarem allgemeinen Unwohlsein des Kaninchens verbunden. Es ist in Zeichen von großen Schmerzen.
    Die Ursache für die Schmerzen müssen schnellstens herausgefunden und beseitigt werden!
  • leises Mahlen mit den Zähnen: Ein leises Mahlen beim Streicheln und Kuscheln ist ein Ausdruck des Wohlbefindens.

2. Körpersprache:

  • Scharren: Kaninchen haben einen angeborenen Grabreflex. Das Scharren kann verschiedene Ursachen haben.
    Hitzige Häsinnen scharren nervös in der Streu, dominante Kaninchen scharren Gerüche von anderen Kaninchen auf oder zu, um ihre eigene Duftmarke darauf zu setzen, Langeweile kann ebenso ein Motiv sein und manche Tiere scharren vor Wut und um sich abzureagieren.
  • Klopfen mit den Hinterläufen: Heftiges Klopfen stellt ein Warnsignal dar oder drückt Erregung/Ärgernis aus.
  • Drohhaltung: Der Hinterleib ist hochgestellt und der Vorderkörper meist leicht geduckt, die Ohren zurückgelegt und das Schwänzchen steht ab. Falls diese Drohhaltung keinen Erfolg zeigt, kann ein Zuschlagen mit den Vorderbeinen nachfolgen.
    Das kann im Rahmen einer Zusammenführung zu einer sogenannten “Keilerei” werden.
  • Entspanntes Hocken mit angelegten Ohren: Das Kaninchen will in Ruhe dösen.
  • Seitenlage, mit abgelegtem Kopf: Wenn sich nun auch noch die Augen schließen, will das Kaninchen schlummern.
  • Ducken: Das Kaninchen drückt sich flach mit angelegten Ohren auf den Boden.
    Dieses Verhalten drückt Verunsicherung und Angst aus. In der Gruppe bedeutet dies eine Unterwerfungsgeste gegenüber einem ranghöheren Tier.
    Wobei diese Geste auch bei Angst vor Feinden, plötzlicher Gefahr und lauten Geräuschen angewendet wird. Gut zu beobachten sind bei Angst die aufgerissenen Augen.
    Um dies zu vermeiden, sollte ein Kaninchen niemals von oben berührt, gestreichelt, oder gefüttert werden. Wieder sollte man das Kaninchen erst einmal in Ruhe lassen.
  • Lecken: Tiere die sich mögen Kuscheln miteinander und putzen sich gegenseitig. Auch die Hände des Menschen werden abgeleckt, dies gilt als Ausdruck von Zuneigung und Akzeptanz als Rudelmitgleid.
  • Männchen machen: Wenn etwas raschelt, gut duftet oder ähnliches, kann man oft beobachten dass sich das Kaninchen auf die Hinterpfoten stellt. So verschafft es sich einen Rundumblick und einen besseren Überblick.
    Es wird sich auch für Futter aufgestellt, welches schwer zu erreichen ist.
  • Wälzen: Dies ist ein Zeichen das sich das Kaninchen überaus sicher und pudelwohl fühlt.
  • Wegschieben der Hand mit der Nase: Das Kaninchen möchte seine Ruhe haben. Wird diese “Warnung” nicht befolgt, kann das Kaninchen zubeißen.
  • kurzes Anstupsen: Das kann eine simple Begrüßung oder auch eine Aufforderung zum Streicheln und sein.

3. Duftsprache

  • Kinndrüse: Diese kann man sehen, wenn sich das Kaninchen direkt vor einem nach Futter reckt.
    Das Kaninchen markiert mit der Kinndrüse sein Revier. Oft kann man das an Stuhl- oder Tischbeinen beobachten.
    Dieser Duftstoff ist für Menschen nicht wahrnehmbar.
  • Analdrüse: Diese Drüse überzieht Kotkügelchen mit einem Dufstoff. Auch dies dient der Reviermarkierung.
    Es kann vorkommen, dass gerade “Markierungsknödel” stark riechen.
  • Leistendrüse: Einander fremde Kaninchen beschnuppern sich gegenseitig am Hinterteil und stellen am Duft des Leistendrüsensekrets fest, ob das andere Kaninchen zur Familie gehört und welches Geschlecht es hat.

4. Sinne

  • Sehen: Durch die seitlich am Kopf sitzenden Augen hat das Kaninchen fast einen Rundumblick von 360°, nur einen kleinen Kegel vor der Nase kann das Kaninchen nicht sehen. Dadurch ist es in der Lage Feinde aus jeder Richtung zu erkennen.
    Kaninchen haben allerdings nur ein geringes, räumliches Sehvermögen und im Nahbereich sehen sie sogar sehr schlecht. Weil Kaninchen ihre Pupillen nur wenig zusammenziehen können, sollte ein grelles Licht vermieden werden. In der Dämmerung können Kaninchen recht gut sehen. Rot und grün fällt den Tieren am meisten auf.
  • Hören: Die trichterförmigen, großen Ohren lassen das Kaninchen sehr gut hören. Kaninchen können leiseste Geräusche wahrnehmen und ihr Gehöhr ist viel sehr viel feiner als das unsere. Die Umgebung wird durch ein ständiges Ohrenspiel überwacht und gesichert.
    Laute Geräusche wie von Musik, Fernsehgerät, Staubsauger etc. mögen Kaninchen deswegen überhaupt nicht. Diese können es in Panik versetzen und ihnen sogar Schmerzen verursachen.
    Das Kaninchen kann sich unsere Stimme merken und wiedererkennen. Widder haben durch ihre Hängeohren ein offensichtlich eingeschränktes Hörvermögen.

    Die Ohren haben darüber hinaus eine weitere wichtige Funktion. Sie dienen als Temperaturregulatoren. Kaninchen haben nur sehr wenig Schweißdrüsen und geben ihre überflüssige Körperwärme über die Ohren ab. Ist dem Kaninchen warm, fühlen sich die Ohren heiß an. Friert es dagegen, sind die Ohren kalt und dicht an den Körper angelegt um die Wärmeabgabe zu verringern.

  • Riechen: Der Geruchssinn des Kaninchens ist um ein vielfaches höher ausgeprägt als unserer. Denn sie besitzen zum einen eine bewegliche Nasenfalte und die Nasenschleimhaut ist äußerst empfindlich. Durch diesen guten Geruchssinn können sie Gutes von Schlechtem oder Ungenießbarem unterscheiden. Dennoch sollte man sich nie darauf verlassen, dass das Kaninchen genau erkennt, welche Pflanzen giftig sind.
    Allzu intensive Gerüche reizen die Nasenschleimhaut, weswegen beim Reinigen mit Essigessenz oder Zitronensäure, etc. niemals ein sorgfältiges Nachspülen vergessen werden darf.
  • Geschmackssinn: Das Kaninchen ist in der Lage, süß, sauer, bitter und salzig zu unterscheiden. Die meisten Kaninchen mögen süße Sachen, doch Schokolade, Kekse, Drops etc. haben in einem Kaninchenmagen nichts verloren. Es kommt zu Verdauungsproblemen, da durch die falsche Fütterung lebenswichtige Bakterien im Darm zerstört werden und so die rohfaserreiche Nahrung nicht mehr verwertet werden kann. Nicht alles was dem Tier schmeckt, ist auch verträglich oder gesund.
  • Tasten: Tasten kann das Kaninchen durch die langen Tasthaare, welche sich im gesamten Gesichtsbereich am Kopf befinden. Durch das Tasten findet sich das Kaninchen auch im Dunkeln gut zurecht und Abstände zu Gegenstände in der nahen Umgebung können damit “erkundet” werden.

    Da diese Tasthaare so empfindlich sind, sollte niemals daran gezogen werden! Berührungsreize kann das Kaninchen aber auch am gesamten Körper aufnehmen.

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