Der Unterschied zwischen Kaninchen und Hasen

Mag sein, dass da kaum einer zu sehen ist, aber es gibt viele Merkmale die ein Kaninchen von einem Hasen abgrenzen.
Das Kaninchen, welches wir heut als Haustier halten (egal ob der deutsche Riese oder ein Zwergkaninchen) stammt ursprunglich vom europäischen Wildkaninchen ab. Da sich aber Hase und Kaninchen sehr ähnlich sind und die Genetik kaum abweicht, werden sie noch unter einem lateinischen Namen (Oryctolagus cuniculus) als eine Tierart zusammengefasst.

Das Wildkaninchen ist kleiner als ein Hase, hat kürzere Pfoten und Ohrmuscheln und ein anders gefärbtes Fell: an der Rückenseite ist es meist bräunlich-grau und am Bauch hingegen ist es beige bis fast weiß.
Auch zählen Kaninchen in der Biologie nicht zu den Nagetieren, sondern zu den Hasenartigen. Die Ordnung der Hasenartigen umfasst zwei Familien mit insgesamt ca. 54 Arten: die Pfeifhasen und die “echten” Hasenartigen, zu denen die Kaninchen aber auch Hasen gehören. Lange Zeit wurden diese Pflanzenfresser noch als Nagetiere angesehen, doch Untersuchungen der Kauwerkzeuge, des Gebisses und des Körperbaus haben ergeben, dass sich Nagetiere und Hasenartige unabhängig von einander entwickelt haben. Das bedeutet nicht, dass Kaninchen weniger gern nagen oder keine ständig nachwachsenden Zähne haben! Kaninchen haben im Gegensatz zu Nagetieren Stiftzähne. Diese sind beinah quadratisch und stellen ein zweites Paar Schneidezähne dar, die sich im Oberkiefer befinden.
Kaninchen sind äußerst soziale Tiere und leben in dicht beieinander liegenden Bauen, während eine Kolonie aus einigen hundert Tieren bestehen kann, die meist gegen Einbruch der Dämmerung und nachts aktiv sind. Wenn sie sich ungestört und sicher fühlen, sind sie jedoch auch tagsüber unterwegs. Wenn Kaninchen einander vor Gefahren warnen wollen, klopfen sie mit ihren Hinterläufen auf den Boden.
Ihre Hauptnahrung besteht aus Gräsern und saftigen Pflanzen, wobei sie aber auch von durch Menschen gezüchtete Gemüsesorten und Getreidegwächse ernähren. Dabei sollte man bedenken, dass sie sich meist anstrengen müssen um an Getreidekörner heranzukommen, da diese meist in unerreichbarer Höhe wachsen. Im Spätsommer und Herbst fressen sich die Kaninchen mit umgewehten/ von Wildtieren umgetretene Maispflanzen und anderen Getreidesorten ein wenig Winterspeck an. Im Winter ernähren sie sich von Zweigen und Rinde, da die saftigere Nahrung eher rar ist.
Das europäische Wildkaninchen wirft mehrere Würfe im Jahr, in Europa im Frühling und im Sommer. Jeder Wurf besteht aus 3 bis 9 Jungen, wobei die Tragzeit 28 bis 33 Tage umfasst. Die Jungen werden als sogenannte Nesthocker nackt, blind und völlig hilflos in einem speziellen “Setzbau” geboren, der von der Mutter mit Pflanzenmaterial und aus dem Bauchfell gerupfter Wolle ausgekleidet wird. Erst nach 3 Wochen verlassen die Jungen den Bau zum ersten Mal.
Die Mutter ist bereits 12 Stunden nach der Geburt wieder brünstig (hitzig). Jedoch werden nicht alle Embryos ausgetragen, eine große Anzahl wird wieder resorbiert, d.h. langsam aufgelöst und wieder vom Körper der Mutter aufgenommen. Es wird geschätzt, dass nur ca. 40% aller Schwangerschaften bei Wildkaninchen vollendet werden und dass ein Weibchen pro Jahr durchschnittlich 11 lebende Junge zur Welt bringt.
Noch ein Unterschied zum Hasen ist die Farbe des Fleisches. Kaninchen haben ein myoglobinarmes und somit fast weißes Fleisch, während Hasen durch mehr Myoglobin ein eher rotes Fleisch haben.

Echte Hasen sind auch keine Nagetiere, aber ähneln alle mehr oder weniger den einheimischen Feldhasen und Kaninchen, das liegt aber an artähnlichen Merkmalen, die von Rasse zu Rasse unterschiedlich sind. Während der Hase 48 Chromosomen besitzt, hat das Kaninchen nur 44 Chromosomen.
Verschiedene Hasenarten wären beispielsweise Schneehase, Präriehase, Kaphase oder Schwarznackenhase. Der europäische Feldhase (Lepus europaeus) kommt überwiegend in unseren Breiten vor und steht auf der roten Liste der bedrohten Tierarten.
Zum Aussehen kann man sagen, dass die Blume (Schwanz) auf der Oberseite fast schwarz und auf der Unterseite weiß ist. Ist sie aufgestellt, ist ein deutlich sichtbares Signal für Artgenossen. Die Löffel (Ohren) sind länger als der Kopf und die Augen sind bernsteinfarbend.
Während der Paarungszeit finden zwischen den Rammlern (Männchen) heftige Rivalenkämpfe statt. Die Häsin kann bis zu viermal im Jahr jeweils bis zu 4 Junge werfen. Die Jungen kommen als Nestflüchter bereits vollständig behaart und mit geöffneten Augen in einer Sasse (eine Art Bodenkuhle, aber kein Bau) zur Welt. Während die Häsinnen tragend sind, sind sie weiterhin befruchtungsfähig, deswegen kann es passieren, dass eine Häsin mit zwei Würfen gleichzeitig trächtig sein kann. Schon zwei Wochen nach dem ersten Wurf, kann der zweite Wurf folgen. Die Tragzeit pro Wurf beträgt ca. 42 Tage. Hasen sind im Gegensatz zu Kaninchen Einzelgänger.
Die Feldhasen bewohnen besonders die Randzonen zwischen dem Wald und der offenen Landschaft. Auch in landwirtschaftlich stark genutzten Gegenden sind sie oft zu sehen.
Der Hase ist wie das Kaninchen ein Fluchttier und kann eine Geschwindigkeit von 50 km/h erreichen. Seine am Boden lebenden Feinde, wie der Wolf oder der Fuchs haben es so schwer, ihm zu folgen. Wenn ihn ein Feind fast erreicht hat, ändert der Hase abrupt seine Richtung, es kommt zum bekannten Hakenschlagen. Selbst Raubvögeln fällt es so schwer, einen erwachsenen Hasen zu erwischen.
Der Hase selber ernährt sich von jungen Trieben, verschiedenen Kräutern, Samen und Baumrinden. Mitunter frisst er auch Kohl oder Rüben, wenn er sich auf Feldern oder in Gärten aufhält.

Noch einmal ganz deutlich: alle in Gefangenschaft lebenden Langohren sind Kaninchen und keine Hasen.
Auch ist der Begriff “Stallhase” nicht korrekt und bezieht sich auf Kaninchen (meist von der Rasse deutscher Riese), die als Fleischlieferanten gehalten werden.

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